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100 JAHRE DEUTSCHER SCHÄFERHUND

Ein Familienhund und Arbeitstier

100 Jahre Deutscher Schäferhund: Sein Urahn stammt aus Osnabrück

Jeder Rassehund, so lautet ein Glaubensartikel des eingeschworenen Hundefreundes, muß einen Stammbaum haben. Das gilt selbstverständlich auch für den Deutschen Schäferhund, dessen Zuchtverein in diesen Tagen den 100. Geburtstag feierte. Und ganz nah an der Wurzel dieser Ahnentafeln stand auch ein Osnabrücker: "Lex Preußenblut" aus dem Zwinger des Züchters Karl Dettmer. Auf diesen Rüden gehen heute etwa 80 Prozent aller 30 000 Schäferhundewelpen pro Jahr zurück.


 

Acht Wochen alt und schon sehr mutig: Zwei Schäferhundwelpen erproben ihre Kräfte.

 

Der deutsche  Schäferhund, heute für viele Hundefreunde   das Idealbild eines vielseitigen Gebrauchshundes,  hat in diesen Tagen gewissermaßen Geburtstag: Vor 100 Jahren, genau am 22. April 1899, stellte der Rittmeister Max-Emil Friedrich von Stephanitz während einer Hundeausstellung in Karlsruhe seinen Rüden Horand von Grafrath der Öffentlichkeit vor. Der wurde dann später als Idealbild seiner Rasse zum Stammvater aller "Hektor", "Rex", "Hasso" oder "Falko", die im Zuchtbuch des Vereins für Deutsche Schäferhunde eingetragen sind.


Idealbild eines Gebrauchshundes

Der Rittmeister von Stephanitz wollte den idealen Gebrauchshund heranzüchten und bediente sich dazu eines genetischen Materials, das er bei Schäfermeistern überall im Lande sammelte: "Unbefangen", sollte das Wesen dieses Tieres sein, weder ängstlich noch aggressiv; mit raumgreifenden Bewegungen und einer Statur zwischen 55 und 65 Zentimetern; dazu das Fell stockhaarig mit dichter Unterwolle, der Körperbau kräftig und die Ohren aufrecht getragen.
Diesem Idealbild des Deutschen Schäferhundes kam auch "Lex Preußenblut" sehr nahe, der 1944 in Osnabrück im Zwinger von Karl Dettmer geboren wurde: "Ein prächtig aufgebauter Rüde mit idealer Linienführung" schwärmte damals ein Richter, sogar von einem "Musterhund" war die Rede. Und ein Blick ins Zuchtbuch des Schäferhund-Vereins zeigt: Auf Lex Preußenblut gehen heute noch etwa 80 aller als "vorzüglich" prämierten Vererber dieser Rasse zurück.



 

Dietrich-Wilhelm Dettmer hat vor einigen Jahren den Zwinger Preußenblut von seiner Mutter übernommen, sein Vater Karl Dettmer ist bereits 1965 verstorben: "Meine Eltern haben wohl an die 4000 Schäferhunde gezüchtet", sagt er rückblickend, "ihr Ziel war immer der universelle Gebrauchs- und Familienhund." Deshalb wendet er sich auch gegen die "gewissenlosen Tiervermehrer", sie selbst Tiere mit Charaktermängeln oder genetischen Defekten vermarkten: "Wer einen Hund kaufen will, sollte sich vorher informieren und auch den Zwinger kennen, aus dem der Welpe stammt."
Die Geschichte des Deutschen Schäferhundes allerdings ist nicht minder zwiespältig. Er ist ein beliebter Familienhund, aber auch ein leistungsfähiger "Arbeiter": Sei er im Dienste der Polizei, des Militärs oder auch als Spürhund bei Lawinenkatastrophen.


 

Dietrich- Wilhelm Dettmer mit Wicor Preußenblut

 

Da konnte es nicht ausbleiben, daß auch Diktatoren ihr Faible für diesen Vierbeiner entdeckten. "1936 kamen zwei Herren der Partei aus München zu meinem Vater und kauften den "Arbo". Er mußte darauf dressiert werden, einen Blumenstrauß zu apportieren." Wenig später war dann in den Zeitungen zu lesen, daß Arbo sich als ein Geschenk für Adolf Hitler in dessen Privatwohnung in München mit einem Blumenbukett in der Schnauze präsentiert hatte.


1949 wurde stolzer Rüde vergiftet

Lex Preußenblut dagegen, der Urahn fast aller heute gezüchteten "Rex" und "Hasso" und "Pias", nahm ein trauriges Ende. Der berühmte Hund sollte 1949 für stolze 36 000 Dollar nach Amerika verkauft werden. Das rief wohl auch einen mißgünstigen Neider auf den Plan -der stolze Rüde wurde vergiftet. Auch darüber berichteten damals die Zeitungen. (fhv)
Lex Preußenblut


Original Zeitungsausschnitt


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