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GERALDINE DODGE ROCKEFELLER

Nachkomme eines berühmten Hundes in Victoria

Höchstpreis von $ 36.000 für Vater eines Deutschen Schäferhundes geboten.

Der Deutsche Schäferhund, auch „Polizeihund“ genannt, ist bei Hundeliebhabern in aller Welt bekannt. Raimisch Preußenblut, ein besonders schönes Exemplar dieser Rasse, ist jetzt in Victoria bei seinem Besitzer Major D. F. Morris.

Einsatz als Grenzhund
Er wurde vor gerade mal zwei Jahren in der Hundezucht von Herrn Karl Dettmer in Osnabrück, Deutschland, geboren und wurde in der berühmten deutschen Polizeihundschule in Hamburg ausgebildet. Diese Schule hat nach Kriegsende ihren früheren Ruf als internationales Hundetrainingszentrum wiedererlangt. Ihre heutige Aufgabe besteht vor allem darin, gut ausgebildete Polizeihunde für die Arbeit an den Zonengrenzen zwischen der Ost- und Westzone hervorzubringen. Diese Tiere ergänzen auf ideale Weise die Polizei- und Grenzschutzbeamten, die ihre Kontrollgänge verstreut an den langen einsamen und bergigen Grenzgebieten machen.


 

Titelbild Daily Colonist 1950 Raimisch Preußenblut, ein Deutscher Schäferhund, bereichert die Welt der Hunde in Victoria. Sein Vater ist der international bekannte Lex Preußenblut, der vergiftet wurde, nachdem seinen Besitzern in Deutschland ein Angebot von über $ 36.000 für ihn gemacht wurde.

Gute Ausbildung

An dieser Schule werden die Tiere innerhalb von drei Monaten für die vielseitigen Pflichten, für die diese Rasse bekannt geworden ist, ausgebildet. Wachen, schützen, Spurensuche, allgemeine Rettungsaufgaben und vor allem der absolute Gehorsam gegenüber den Befehlen des Hundeführers sind Bestandteil ihrer täglichen Routine. Die allerbeste Belohnung dafür, Schüler an dieser Schule zu werden, besteht darin, dass die Alliierte Militärregierung den Hunden eine großzügige Ration Pferdefleisch zugesteht.

Während auch andere Rassen in der allgemeinen Polizeiarbeit weit verbreitet sind, wurde der Deutsche Schäferhund in den vergangenen 30 Jahren sowohl für polizeiliche als auch für militärische Aufgaben ausgewählt. Die Mehrheit dieses „zweiten Augenpaars“ wird von dieser Rasse gebildet. Die Gründe für diese Wahl sind die Intelligenz der Tiere und ihre Fähigkeit, schnell zu lernen. Eines ihrer Wesenszüge ist, dass sie eine durch Loyalität und Zuneigung geprägte Bindung zu ihren Hundeführer aufbauen, die von einer anderen Rasse übertroffen wird.


 

Karl Dettmer mit Sato, Lex (Mitte) und Lende Siegerzuchtgruppe Hamburg 1946 und VDH 1948 mit Junghundsieger Sato, Siegerauslese VA Lex und VA Lende Preußenblut.

Ein berühmter Hund

Lex Preußenblut, der Vater von Raimisch, war der berühmteste Hund in Nachkriegdeutschland. Während einer Hundeschau in Zürich im November 1948 erregte er die Aufmerksamkeit einer Dame aus New York und das hier folgende ist eine Übersetzung dessen, was die Züricher Zeitung nach der Schau berichtete:
„ Für Herrn Karl Dettmer aus Osnabrück ist es nichts Neues, für Lex Angebote aus aller Welt zu erhalten. Sein berühmtes Tier ist heute in internationalen Hundezüchterkreisen als bester und teuerster Hund der Welt bekannt. Das jüngste Angebot von Mrs. Dodge Rockefeller aus New York in Höhe von $ 36.000 ist der höchste Preis, der jemals für einen Hund geboten wurde. Herr Dettmer hat folgende Bedingungen an den Verkauf von Lex geknüpft. Er fordert, dass die Hälfte des Geldes an eine Blindenschule gehen solle und dass der Rest dafür verwendet werden solle, bestimmte Medikamente und Nahrungsmittel aus den USA für die Menschen in Osnabrück bereit zu stellen. Wegen der herrschenden Währungsvorschriften bleibt dieses Angebot bestehen, solange die Verhandlungen mit der Militärregierung andauern.


 

Sieger- Auslese 1946 ( SV und VDH ) Vater von vielen VA- Rüden und VA- Hündinnen ( u.a. Vater von VA- Rüden Rolf vom Osnabrücker Land, VA- Hündin Reina vom Osnabrücker Land und VA- Hündin Rena vom Osnabrücker Land). Als direkter Vererber, sowie als Zuchtahne nach dem zweiten Weltkrieg wurde Lex zum Stammvater von über 80% der weltbesten Zuchttiere der Zucht Deutscher Schäferhunde. Lex- Nachkommen errangen auf allen Erdteilen internationale Champion- und Siegertitel. Es gibt heute in 58 Mitgliedsnationen des SV und WUSV kaum ein Zuchttier, das nicht Lex oder seine Schwester Lende in der Vater- und/ oder Mutterlinie als Urahnen führt.

Weitere Angebote

„ Andere hohe Angebote kommen jeweils aus Bombay und Neuseeland. Wenn Lex jedoch Deutschland verlässt, bleibt sein Blut in der Preußenblutzucht seines Heimatlandes, denn er hinterlässt etwa 50 erstklassige Nachkommen. Exemplare dieser Zuchtlinie aus der Dettmer- Zucht haben schon immer Höchstpreise und Anerkennung auf in- und ausländischen Ausstellungen erzielt. Sie werden als die besten ihrer Rasse in ganz Europa anerkannt und viele aus der Zucht führen heute die Tradition weiter. Lex Halbschwester Ingrid ist momentan ein Champion in den Vereinigten Staaten und der Sohn Raimisch ist vor kurzem bei Prüfungen in der Lippe- Detmold – Schau ausgezeichnet worden, nachdem er die Ausbildung in Hamburg abgeschlossen hatte. Den internationalen Ruf, den Lex für die Zucht von Karl Dettmer und für Deutschland erlangt hat, wird nicht nur durch seine exzellente äußere Erscheinung bestimmt, sondern auch durch die Kombination von Eigenschaften, die ihn nachgewiesenermaßen zu einer wertvollen Bereicherung der Menschheit machen“


 

Lex beim Training

Tragisches Ende

Es gab ein trauriges Nachspiel zur oben genannten Geschichte. Die Verhandlungen mit den Alliierten Regierungen und dem prospektiven Käufern wurde erfolgreich abgeschlossen und am 29. Mai 1949 sollte Lex Deutschland verlassen und in seine neue Heimat die Vereinigten Staaten übersiedeln. Am Morgen des 28. Mai wurde er jedoch vergiftet aufgefunden und die polizeilichen Ermittlungen haben bis heute das Geheimnis nicht lösen können.
Lex ist jetzt ein Ausstellungsstück im Stuttgarter Museum in Deutschland, da Stuttgart der Hauptsitz der schon lange bestehenden Gesellschaft zur Förderung der Zucht von Deutschen Schäferhunden ist.


 

Lex Preußenblut

In anderen Ländern

Die Rasse wurde 1911 erstmals in England bei einer Zuchtschau von Mrs. McMillan ausgestellt. Seit dieser Zeit hat sie sich auf den britischen Inseln und auf dem amerikanischen Kontinent fest etabliert. Die früheren Typen hatten noch nicht die Körperlänge, den wachen Ausdruck, rhythmischen Gang und die Qualität, die wir bei der Rasse heute feststellen. Schon allein dieser Punkt reicht, die Annahme, dass sie vom Wolf abstammen, zu Fall zu bringen. Die früheren Typen hatten sicherlich viel weniger Merkmale vom Wolf als es bei den aus guter Zucht stammenden Exemplaren heute der Fall ist.

Rittmeister von Stephanitz, der Autor von „Der Deutsche Schäferhund in Wort und Bild“, ist allgemein als Autorität für diese Rasse anerkannt. Entgegen dem allgemein verbreiteten Glauben schreibt er, dass die Deutschen den Wunsch hatten, etwas anderes zu züchten und deshalb die Ähnlichkeit mit dem Wolf betont haben, ohne Wolfsblut zu verwenden. Die vorhandenen Beweise, dass die Rasse aus der Kombination von zwei oder drei Varianten des Deutschen Schäferhunds entstand, sind zu überzeugend und andere Auffassungen können nicht gelten gelassen werden.

Original Zeitungsausschnitt

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Karl Dettmer mit Lex beim Spielen